Tierra – Cultura – Educación – Ambiente y Autonomia
Bericht von Enrique Rivera / Terraba / Costa Rica
Montag den 9. Februar 2009 , am Tag des Schulbeginns in Costa Rica haben wir, eine Gruppe von etwa 100 Schülern, Eltern und Mitglieder unseres Kulturvereins den Zugang des Gymnasiums von Terraba blockiert.
Die Aktion startete um 5 Uhr früh.
Wir haben uns zu dieser Massnahme gezwungen gesehen, da mittels einer sehr agressive Strategie die Betreiber des geplanten Staudammprojektes PH-Diquis (ICE) mehr und mehr unsere kulturellen und wirtschaftlichen Interessen bedrohen.
Während vieler Monate haben sie versucht die Zustimmung der Bevölkerung zu diesem Projekt durch Kampagnen in den Schulen, Vereinen und Orgnanisationen zu erreichen. Sie haben ausschliesslich von den „grossartigen“ Vorteilen des Projektes, das den „Fortschritt“ in diese Gebiete bringen würde gesprochen, haben Wege ausgebaut, Fussballplätze eingeebnet, Antennenschüsseln für Internetanschluss am Gymnasium angebracht und mit ihrer Flotte von Autos Transporte angeboten, um auf diese Art und Weise jede Opposition zum Schweigen zu bringen.
Die Regierung ihrerseits hat das Projekt als eine Sache des nationalen Interesses erklärt und immer wieder betont, dass ohne PH-Diquis es keine „Entwicklung“ in der Region geben würde.
Da alle unsere Versuche mit den Vertretern des ICE und der Regierung in einen Dialog einzutreten fehlgeschlagen sind, haben wir zu anderen Mitteln greifen müssen.
Das Gymnasium war ein strategischer Punkt, wo unsere zukünftige Generation heranwächst und ausgebildet wird. Wir, Schüler, Eltern und Bürger von Terraba konnten nicht zulassen, dass die Direktorin dieser Institution 100% das Staudammprojekt befürwortete und unsere legitimen, indigenen Recht völlig missachtete.
Unsere Aktion bewirkte, dass noch am selben Tag der Besetzung des Gymnasiums eine Delegation im Erziehungsministerium in San José empfangen wurde und nach mehrstündigen Verhandlungen die Zusage gegeben wurde die Direktorin von Terraba zu versetzen und einen indigenen Direktor unserer Wahl einzusetzen. Das war einer unserer Haupterfolge.
Zum anderen erhielten wir in den folgenden Tagen eine Einladung der Oppositionspartei PAC (Partido Acción Ciudadana) im Parlament über PH-Diquis ausführlich zu informieren. Yerri Rivera und Bairon Reyes erklärten den Vertretern vom PAC die sozialen, kulturellen und ökonomischen Auswirkungen des Projektes und auch die Umweltschäden, die das Projekt bewirken würde. Für den 14. März haben sich Vertreter des PAC zu einem Besuch in inserem Territorium angesagt.
Auch andere Einrichtungen wie z.B. Radio Cultural gaben uns nach der Aktion die Möglichkeit zu Wort zu kommen. In einer einstündigen Sendung konnten wir die Bevölkerung unseres Kantons von Buenos Aires ausführlich informieren.
Amndere indigene Dorfgemeinschaften wie Rey Curré und Salitre haben uns bei der Aktion in Terraba voll unterstützt und werden auch bei zukünftigen Aktionen mit dabei sein.
Wir wissen, dass die Staudammbetreiber mit allen Mitteln jede Opposition zum Schweigen bringen möchten. Wie 1985 als wir die Hauptstrasse blockierten um den Transport illegal geschlägerten Tropenholzes zu verhindern hatten sie auch dieses mal die Festnahme unserer Führer vorbereitet. Aber wir waren zu viele, Schüler, Frauen und Kinder - da konnten sie sich eine Festnahme und den Abtransport wie 1985 ins Gefängnis nicht leisten!
Obwohl einige unserer Aktivisten in der Zwischenzeit Morddrohungen bekamen, lassen wir uns nicht einschüchtern. Wir werden auf unseren legitimen Rechten bestehen!
Terraba, am 2. März 2009